Other crimes
Ovale Fenster (Hörstück)
Hörstück von Dietmar Dath, Thomas Weber und Volker Zander
Mit Texten von Dietmar Dath, Diana Deutsch und Hermann von Helmholtz
Sprecher: Christian Brückner, Diana Deutsch, Gertraud Heise
Komposition und Regie: Thomas Weber und Volker Zander
Musik: Kammerflimmer Kollektief
Produktion: SWR 2011/12
Ursendung: 03.04.2012, SWR2
Wiederholung: 03.07.2012, Deutschlandfunk
Mit Helmholtz beginnt das Zeitalter des Sounds. Was heute Geräusch ist, kann morgen Musik sein. In seinem 1863 erschienenen Lehrbuch "Die Lehre von den Tonempfindungen als physiologische Grundlage für die Theorie der Musik" verfasst der Physiologe Hermann von Helmholtz eine Musiktheorie, die erstmals physikalische Messungen, Phänomene akustischer Wahrnehmung und kulturelle Prägungen einbezieht. Schwingungen, Schwebungen. Kombinationstöne, Klangfarben. Konsonanz, Dissonanz. Was wir hörend empfinden, beruht auf Illusionen, die uns feine, in Schwingung versetzte Härchen hinter einer ovalen Fensteröffnung vorspielen. Für seine Forschungen zur Vokalbildung der menschlichen Stimme baut Helmholtz einen Stimmgabelsynthesizer. Diese metallischen Oszillationen dienen der Karlsruher Musikformation Kammerflimmer Kollektief als Grundlage für synthetische Mixturen freier Improvisationen und mehr.
'Egal wer es geschaffen hat, wem es gehört, wer es benutzt und wozu', in seinem eigenen Hirn kenne er sich selbst am besten aus, behauptet der Physiologe und Physiker Hermann von Helmholtz (1821 - 1894) und fordert den lieben Gott zu einem Wettrennen heraus. Noch während der sich seine Turnschuhe zuschnürt, hechtet Helmholtz durch das ovale Fenster im rechten Ohr in seinen eigenen Kopf. Dietmar Daths extra für dieses Hörstück verfasster Text steht in der Tradition der fantastischen Literatur. In ihm treffen die Naturwissenschaften des 19. auf Diskurse des 21. Jahrhunderts, eindimensionale Science-Fiction auf wahrnehmungspsychologische Paradoxien und typisch Dath'sche Satzverschachteltungen auf Helmholtz' nicht minder verschachtelte Sätze zur Sinnesphysiologie des Hörens.
Hörspiel des Monats, April 2012
"Insgesamt ist Thomas Weber und Volker Zander ein erzählerisch-theoretisches Kunstwerk gelungen, das man so selbst auf dem monatlichen 'Ars-acustica' -Termin von SWR 2 nicht erwartet hätte." Jochen Meißner, Funkkorrespondenz
Dietmar Dath / Heike Aumüller
Verbotene Verbesserungen
starfruit publications
152 Seiten mit ca. 70 Abbildungen
ISBN 978-3-922895-23-7

"Schneewittchen war übrigens transsexuell" weiß Dietmar Dath, die männliche Joan Jett der stalinistischen Filmkritik, und Heike Aumüller, Portraitistin paranormaler Bewusstseinszustände, gibt ihm Recht. Sie langt tief hinein in die Abgründe ihrer Bildertrommel und schlägt Daths Prosastücken mit ihren Fotografien den Takt: Unter den Lichtblitzen eines ans große Firmament gehängten Stroboskops bringt dieses im Ungleichen so gleiche Paar die Verhältnisse – u.a. Zombiealarm, Feenzauber, Adorno und den Firnis nackter Haut – zum Tanzen. Ein Märchenbuch für Jung und Alt, für Schlank und Schlau, sehr welthaltig und sehr unerschrocken.