Teufelskamin
(LP/CD/DL, Staubgold 16)
File Under: Psychedelic / Intuitive / Mongrel Music
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- Coricidin Boogie
- Never Collapse, Always Dazzle!
- Teufelskamin Jam # 1
- Shangrila
- Soft Machine
- A Different Karmic Thermal
- Teufelskamin Jam # 2
- Nearly Able To Fly
- New Ghosts
- The People United Will Never Be Defeated
Heike Aumüller
voices, synthesizer, harmonium & bells
Johannes Frisch
double bass, electric bass & brummeisen
Thomas Weber
electric guitars, loops & devices
Additional Players
Sam Beowerth, clarinet: tracks VIII & X
Christopher Giga Brunner, drums & vibes: tracks III, VII, VIII & X
Volker Zander, electric bass: tracks II & VI
Recorded at Studio Kinda Cloudy & Sternberg Concrete, Karlsruhe and Faust-Studio, Scheer, September 2010 – June 2011. Engineered by Jürgen Galli, Bruno Gebhard & Thomas Weber. Mastered by CGB @ Dubplates & Mastering, Berlin
Music: Kammerflimmer Kollektief, published by Future World; except: „New Ghosts“ by Albert Ayler & Mary Maria Parks, published by Freddy Bienstock Music Co; „The People United Will Never Be Defeated!“ a.k.a. „El pueblo unido jamás será vencido“ by Sergio Ortega & Eduardo Carrasco, published by Coda Ediciones Musicales
Artwork: Heike Aumüller, courtesy Meyer Riegger Galerie
Design: Christian Walter
Thanks for attention, listening and support: Jan Bang, Giga Brunner, Dietmar Dath, Marie Destandau & Markus Detmer, Werner Durand, Ekkehard & Saskia Ehlers, Dietrich Foth, Jürgen Galli, Bruno Gebhard, Egor Gusev, Frank Halbig, Hans Jochen Irmler, Barbara Kirchner, Mo Loschelder, Tom Lutz, Wolfgang Meinking, Janusz Mucha, Evan Parker, Marco Preitschopf, Manfred Rothenberger, Thomas Schmidt, Jochen Seiter, Jörg Sundermeier, Christian Walter, Margot Weber & Volker Zander.
(please scroll for german version)
It’s cold. It’s winter. You are out in a deserted snowed out countryside. What would make you feel warm and dry? It’s the hut on the horizon – a soft warm plume of smoke coming from its chimney. They invite you into the house to sit on the fireplace. They serve you soup. You are safe and sound.
What is a Teufelskamin? A Devil's Chimney is a natural geological phenomenon, a natural rock formation built by tidal powers. Take for example the natural shaft on the Crozon peninsula in Brittany, France. Waves push into this pit and spit out a giant jet of seawater. Watch out! It's a cold satanic soup coming from Hell’s kitchen. When chef Satan starts cooking, wet showers are coming out of his hut, not dry smoke. At least the devil cooks with water.
What is cooking when the old Kammerflimmer Kollektief invites you to sit on their Teufelskamin? There is a familiar electric guitar that takes you on a ride into Black Mountains. There is the ground making breath of an Indian harmonium. There is a gentle dark push from an upright bass. And there is a female voice amplifying wordless moods over wordless songs.
For years now the Kammerflimmer Kollektief have skillfully sailed waves of various musical genres. On Teufelskamin a spooky guitar sound, a Surf Noir is a new ingredient. And bravely, they call out for Albert Ayler’s helping ghost. Kammerflimmer Kollektief is creating a great authentic dish over a nice long running fire and like the devil they cook with water. Cool, cool water. Heike Aumüller, Johannes Frisch and Thomas Weber are stirring some music of salty beauty from which no one can escape.
Want more?
How do you get visitors out of your house? Well, jam the chimney over the fireplace. Smoke them out like these devils do in Western movies.
Was erzeugt Heimeligkeit in einer verschneiten, menschenleeren Landschaft? Das Haus am Horizont, aus dessen Schornstein eine Rauchfahne aufsteigt. Dort gibt es warme Suppe, man ist gerettet. Wie holt man Leute aus einem Haus? Man verstopft den Schornstein des Kamins. Man räuchert sie aus, wir alle haben die Western gesehen. Und wer fällt in den Kamin, wenn alles schön ist und niemand böse? Na, der Weihnachtsmann mit seinem dicken Hintern selbstverständlich.
Was aber ist ein Teufelskamin? Ein Teufelskamin – es gibt mehrere – ist ein Schacht auf der Halbinsel Crozon in der Bretagne, sagt Google. Durch wird den das Wasser zu einer Fontäne hochgedrückt, es ist kein Spaß. Der Rauch, der aus diesem Teufelskamin aufsteigt, ist also sehr nass. Hier kocht der Teufel, und wie immer, er tut es falsch herum. Aber er kocht auch nur mit Wasser, wie wir alle.
Es ist nicht Hells Kitchen insgesamt, es ist der Herd des Teufels, über den wir reden, wenn wir über „Teufelskamin“ reden. Es ist jener, der die Hölle wärmt, sie heimelig macht, durch den der Weihnachtsmann allerdings nie hereinkommt und dessen Abzug niemand abdecken würde. Der Teufelskamin wird vom Teufel benutzt. Einzig & allein.
Der „Teufelskamin“ des Kammerflimmer Kollektiefs wärmt uns, indem er uns auf der Gitarre mitnimmt in die Black Mountains. Der Standbass ist gewohnt weich, doch absolut entschieden gezupft und ordnet die Ausbrüche. Das Harmonium füllt die Lücken, die die Gitarre lässt, zwingt ihr allerdings auch welche auf. Die Stimme Heike Aumüllers ist für die Band dabei ein weiteres Instrument, das die Stimmung verstärkt, die Texte stehen nicht im Vordergrund, dennoch, Obacht, entstehen hier Songs, nicht Tracks.
Das Kammerflimmer Kollektief balanciert seit Jahren geschickt auf der Mauer, die Betonköpfe zwischen Blues und Jazz gezogen haben, hin und her, und macht, als wäre das nicht Kunst genug, komplexe Saltos dabei. Auf „Teufelskamin“ aber kommt, stärker denn je, – und nicht etwa nur als Zitat – der Rock hinzu, der Pop, sein kleiner Cousin gleichfalls. Und beide werden ausgelotet in jede Richtung, ausgeräuchert, genau seziert, und alles, was man brauchen kann, das nimmt das Kammerflimmer Kollektief mit hinein in seinen Topf, der im Teufelskamin am Seil hängt. Hier wird nicht mit Feuer gekocht und Hitze, sondern mit Wasser und Kühle.
Wir wissen, heat is motion, doch Bewegung erzeugt wiederum Hitze, und beim Kammerflimmer Kollektief ist es wie beim Teufel, immer anderes herum, die Hitze kommt aus der Emotion. Die freilich wird kalt serviert, es rockt erst, wenn es ganz durchdacht ist, weil es so schön ist in seiner Klugheit. Heike Aumüller, Johannes Frisch und Thomas Weber sind keine kalten Fische, jedoch wissen sie als gute Künstler, dass man nicht authentisch herumflippern kann, nicht als Erwachsener. Also sortieren sie ihre Gefühle in der Musik, das nennt man Kunst machen. Daher ist es kein Wunder, dass sie Albert Aylers „New Ghosts“ anrufen, wir sollen wissen, wo sie herkommen.
Das Kammerflimmer Kollektief erzeugt so auf „Teufelskamin“ Musik von kalter klarer Schönheit, der man sich nicht entziehen kann, und deren eigentümliche Schönheit einem ans Herz wächst. Man wärmt die Musik mit sich, wird selber der Kamin, der diesen Pop – und es ist Pop! – glühend schwingen lässt in sich. Nun ist man ja immer der Resonanzboden für Musik, nur ist man es selten bewusst, wird man doch oft so übergossen von Effekten, dass man die Struktur eines Songs gar nicht mehr erfassen kann. Hier ist es anders. Das Kammerflimmer Kollektief fordert, es fordert Hinhören – und belohnt dafür. Will man mehr? Kann man mehr bekommen?
Jörg Sundermeier
"Man spürt in jedem Moment, dass diese Menschen schon eine geraume Zeit zusammen Musik machen und es kein Zufall ist, dass man bereits auf acht Alben zurückblicken kann. Nicht nur fügen sich die einzelnen Elemente innerhalb eines Songs immer wieder erstaunlich perfekt ineinander, sondern auch über die Länge eines ganzen Albums spannt das Trio einen sehr beeindruckenden Bogen. Diese Spannung wird gerade durch den Wechsel zwischen komponierten und improvisierten Passagen aufrechterhalten, da man weder in der Eintönigkeit einer im Pop häufig geforderten 'Durchhörbarkeit' hängen bleibt, noch sich im selbstverliebten Muckertum verliert."
testcard
"(..) ein nach wie vor sehr eigenständiges Trio aus Karlsruhe, das – von der Elektronischen Musik kommend – allmählich die Kurve ins Analoge gekriegt hat. Auf ihrem neuen Album klingt das Kollektief wie eine Hippie-Band. Sie wirken wie Wiedergänger von Amon Düül II, den Münchner Acid-Heads der frühen 70er Jahre. Das kann sehr anregend sein, weil die Band eine kolossale Entwicklung hinter sich hat, die noch nicht abgeschlossen zu sein scheint."
Zündfunk, BR
"It´s a brilliant record. It´s coming out of dark days. Don´t leave the music alone. It will pay back, time after time, in its own peculiar way."
Michael Engelbrecht, manafonistas.de
"Das Erstaunliche am Kammerflimmer Kollektief ist, dass es sich bei jeder Platte wieder neu erfindet und Genregrenzen schon lange hinter sich gelassen hat.Die Auszeichnung 'Druckfrisch'-Musiker des Monats September geht in einem Kantersieg an die deutsche Band Kammerflimmer Kollektief, jenes weltweit führende Trio für die aurale Erforschung der psychedelischen Vernetzung von Jazz und elektronischer Musik, mithin von Freiheit und Sound. Mit Teufelskamin ist gerade ihr neues, neuntes Album erschienen, auf dem mit so komischen Instrumenten wie Harmonium und Brummeisen eine berückende Weltmusik, die die Band selbst auch gern als "Surf Noir" bezeichnet, entsteht. Dieses Wort weist darauf hin, das erstmals auch etwas so einfaches wie eine elektrische Gitarre im Mittelpunkt der Klanglandschaften des Kollektiefs stehen kann."
ARD, druckfrisch-Redaktion
"Was auch das neue Werk auszeichnet, ist der leichte Umgang mit schweren Dingen, den Grenzgängen und stilistischen Erprobungen; in Webers Kollektief spielt die Musik so sicher, so schön neben den Zeichen und Buchstaben, dass der Hörer das Andere schon aufgenommen hat, bevor er überhaupt nachzudenken droht."
Frank Sawatzki, MusikExpress
"Kein Wunder, dass ein Abtauchen in den Klangfluss des Kollektiefs Rauschgefühle auslösen kann – wobei das mitunter hypnotisierende Pulsieren von Webers Gitarre und Aumüllers Stimme immer wieder durchbrochen wird durch Johannes Frischs furiose Radikalbearbeitung des Kontrabasses, der knarrend, knirschend und brummend jegliche Harmonie so wundscheuert, dass ihre fragile Schönheit umso klarer erstrahlt. Die Band befolgt, was Heike Aumüller in „Karmic Thermal“ singt: „Swing your own chair“, sie wippen auf einem Stuhl, der ausschließlich ihnen gehört."
Andreas Jüttner, BNN
"Der Albumtitel liefert eine Metapher für die geheimnisvolle Kraft, die sich hinter dieser Musik verbirgt. Teufelskamin bezeichnet jenes geologische Phänomen, bei dem durch Gesteinsschächte Wasserfontänen aus dem Meer in die Höhe schiessen. Tatsächlich unterbrechen gelegentliche Lärmeruptionen das dunkle Brodeln dieses bedächtigen Albums. “Teufelskamin” verbreitet eine unheimliche Gemütlichkeit mit diabolischen Untertönen. Skizzenhafte Improvisation dominiert, lediglich “A Different Carmic Thermal” trägt poppige Züge, der Rest bleibt Andeutung. Dass das Album mit einem nicht ausgeführten Saxophonsolo abrupt endet, ist bezeichnend für dieses subtile Werk."
Ralph Hofbauer, 78s.ch
"Das Kammerflimmer Kollektief hat seit Mitte der 1990er Jahre einen dichten Sound erarbeitet, der jenseits aller Moden und – ungewöhnlich genug - weitestgehend referenzlos funktioniert. Im mainstreamigen Popgeschäft führt so etwas konsequent ins Abseits als Kritikerlieblinge. Für eingeschworene Fans legt die Band ein paar Spuren, die „Teufelskamin“ zum Arbeitsjournal einer Working Band werden lässt. Titel wie „Coridicin Boogie“, „New Ghosts“ oder „Soft Machine“ weisen auf Duane Allman, Albert Ayler und (vielleicht) Robert Wyatt oder William S Burroughs und zeugen von einem Meta-Pop-Wissen einer Band um Spielweisen, die der Erinnerung allemal lohnen."
Ulrich Kriest, Stuttgarter Zeitung
"Teufelskamin klingt wie eine unheimliche, aber freundlich gestimmte Jamsession seltsamer Geister an Halloween, wirkt wie ein weitausholender Kameraschwenk durch Jim Jarmuschs „Dead Man“ und „Nightmare Before Christmas“ von Tim Burton. Dieser „Teufelskamin“ ist anheimelnd, weird und autark. Geräusche sind Musik, Musik ist Geräusch: Gitarren werden geschrubbt anstatt gezupft, das Harmonium brummt und zirpt, Albert Aylerscher Jazz weht hinein, um in einem elektronisch-akustischen Trip mit Geklingel und Gemaunze zu versumpfen. Surfsounds aus dunkleren Gestaden, in die sich die Beach Boys nicht trauten. Gesang wie von trägen Engeln auf LSD, hingeklöppelt sanfte Percussion, eine „Soft Machine“, die „New Ghosts“ anruft und dich „Nearly Able To Fly“ macht. Kammerflimmer Kollektief laden zur Séance, die man angenehm gehirngewaschen als „A Different Karmic Thermal“ wieder verlässt."
Christina Mohr, culturmag
"Op deze “duivelsschoorsteen” produceren ze gitzwarte en dikwijls spookachtige muziek met een rokerige atmosfeer, die teruggrijpt naar de jaren zeventig. Van daaruit trekken ze psychedelische lijnen naar de toekomst. De muziek bestaat uit een gevarieerde mix van jazz, psychedelica, avant-garde, krautrock en kamermuziek. Ze brengen in hun inventieve creaties vooral een hoop sfeer en tot de verbeelding sprekende muziek. Soms is het haast verstild en filmisch en hoor je slechts pianoklanken, een bas en de zachte bitterzoete zang van Heike en op andere momenten gooien ze alle registers open en ronken ze als een gek met hun verslavende motorik. Maar ook gaan ze het experiment niet uit de weg, waardoor het zoals in “Teufelskamin Jam #2” ook richting het kakofonische gaat.Een duivels goedje!"
Jan Willem Broek, Subjectivisten
"Car, en dépit de, ou plutôt grâce à leur approche par petits pas dont ils n’excluent jamais un balancement distordu entre l’âme entre deux eaux des Bohren & der Club of Gore et une sourdine façon Sonic Youth, les Kammerflimmer Kollektief subliment leur environnement sonore par un sens incroyable des harmonies, tout en ne négligeant pas la valeur de la micro-mélodie. Vite, un rendez-vous pour la Cheminée du Diable."
Rifraf
"Wunderbares Album, ganz sicher eines ihrer besten."
Intro 10/2011
"Who would have suspected that psychedelia, cyborg vocoder and a dash of Americana twang could slot together so neatly?"
Jack Chuter, ATTN Magazine
"Große Qualität, wie sie selten genug bei mäandernden Malströmen zu finden ist."
Joachim Ody, Spex
"La creatura di Thomas Weber approda a uno dei risultati più emozionanti della sua decennale carriera in una formazione ridotta a tre elementi: con le chitarre del leader agiscono i sintetizzatori e la voce estatica di Heike Aumüller e i bassi di Johannes Frisch nell’attivare un vortice psichedelico ad alta intensità emotiva."
Enrico Ramunni, Rockerilla
"Leider habe ich es nicht geschafft, „Teufelskamin“ komplett zu hören, da ich nach den ersten zehn Minuten das dringende Bedürfnis nach einem LSD-Trip verspürte, in dessen Zuge ich die Räucherstäbchen meiner Hippienachbarin geknabbert habe und dann mit dreiköpfigen Wombats auf einem Fluss aus Kerosin und Bionade paddeln war. Und so verlockend das für den ein oder anderen klingen mag: Ich für meinen Teil würde mir lieber jeden Finger einzeln abhacken und mir nacheinander in die Nase schieben, statt das zu wiederholen."
Vice Magazine
"Kammerflimmer Kollektief haben sich in ein sehr eigenweltliches, betörendes Etwas entwickelt."
Trust 10/2011
"Wer anspruchsvollen musikalischen Wahnsinn sucht, kommt um das Kammerflimmer Kollektief und sein neues Oeuvre Teufelskamin nicht umher."
RaF, Kulturterrorismus